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Interview mit dem Step by Step Team (Teil 1)


Nach einem Jahr Einsatz für die Flüchtlinge ist das Step by Step Team Janina, Nanny, Stefan Angelika und Margie im Gespräch mit der Redaktion.

Was sind eure Hauptaufgaben?
  • Eine detaillierte Aufgabenbeschreibung ist bei der Flüchtlingsarbeit nicht möglich. Man reagiert zum größten Teil anlassbezogen, insbesondere im Zusammenhang mit den Behörden und Institutionen, die sich um Flüchtlinge kümmern. Ganz nach dem Motto Nichts ist unmöglich trifft hier den Nagel auf dem Kopf. Jeder von uns im Team hat eine oder mehrere Familien / Einzelpersonen, um die man sich kümmert. Eine Aufgabe besteht zum Beispiel darin, geeigneten Wohnraum zu finden. Das ist zurzeit in Berlin nicht so einfach, zumal man noch auf Unterstützung vom Landesamt für Flüchtlingsmanagement (früher LAGeSo) oder dem JobCenter angewiesen ist. Wir kümmern uns schon seit geraumer Zeit um einen Alleinreisenden 60jährigen Mann, der schwer an Krebs erkrankt ist. Wir organisieren und begleiten Arztbesuche, kaufen frische gesunde Lebensmittel für ihn, helfen bei der Familienzusammenführung… um nur einige Dinge zu benennen.
  • Zeit haben, Gespräche führen, psychische Betreuung, Begleitung zu Terminen, sämtlicher Schriftverkehr mit Botschaften, Ämtern, Vattenfall, Vermietern usw., Wohnungssuche, Einrichtungsgegenstände besorgen und transportieren, Übersetzungen, Kontakte pflegen, füreinander beten!
  • so gesehen gibt es keine Hauptaufgaben. Jeder von uns entscheidet selbst wieviel Zeit und Kraft er investieren möchte und kann. Grundsätzlich findet aber die Unterstützung in allen Fragen des Alltags statt. Jeder von uns hat ein paar Schützlinge, die er intensiver betreut. Dadurch ist eine individuelle Betreuung möglich. Unsere Aufgaben sind daher sehr vielfältig und auf die jeweiligen Umstände und Bedürfnisse der einzelnen Flüchtlinge abgestimmt.

Was sind die größten Herausforderungen bei eurer Arbeit?
  • Der deutsche Verwaltungsapparat und die Wohnungsgesellschaften.
  • gegen die schier unüberwindbare Machtlosigkeit bei den Ämtern anzukommen.
  • Behördengänge, Unterstützung beim Schriftverkehr mit sämtlichen Ämtern und die Wohnungssuche sind z. Zt. kaum überwindbare Herausforderungen. Die größte Herausforderung aber ist bei allen Schwierigkeiten und Problemen nicht den Mut zu verlieren oder aufzugeben, sondern einfach weiterzumachen.

Wie überwindet Ihr Sprachbarrieren?
  • In Englisch und immer besser in Deutsch, wobei die Kinder enorm schnell lernen.
  • mit englisch, Händen und Füßen und vor allem mit viel Liebe.
  • die meisten sprechen Englisch und damit kann man sich recht gut mit ihnen verständigen. Andere wiederum sprechen kein Englisch, dafür schon ein paar Brocken Deutsch. Ansonsten funktioniert die alt bewährte Zeichensprache oder die Mimik im Gesicht. Die Sprache des Herzens versteht jeder. Man wird einfach sehr erfinderisch.

Gibt es kulturelle Barrieren mit denen Ihr nicht gerechnet habt und wie geht Ihr damit um?
  • Barrieren möchten wir sie nicht nennen. Wir lernen gerne von ihrer Kultur und gleichzeitig geben wir unsere Werte weiter. Hierbei treten oft Gemeinsamkeiten auf, die sehr erfreulich sind.
  • nein es gibt zwischen uns keine Barrieren.
  • ja, selbstverständlich gibt es kulturelle Barrieren. Es ist eben eine andere Kultur. Überraschend war für mich allerdings eher die zugängliche und offene Art der Menschen. Ich persönlich finde, dass Barrieren und eventuelle Vorurteile am besten durch das offene Gespräch zu bewältigen sind. Ein reges gegenseitiges und neugieriges Interesse an der jeweils anderen Kultur hat für viele aufschlussreiche Gespräche gesorgt.

Was motiviert euch zu dieser Arbeit?
  • Wir denken, dass es für einen Christen selbstverständlich ist, insbesondere in dieser absoluten Ausnahmesituation der Flüchtlingskrise, unserem Nächsten zu helfen. Die vielen schönen Erlebnisse und strahlenden dankbaren Augen sind für uns Motivation genug.
  • die Liebe zu diesen Menschen und die unendliche Dankbarkeit und Freude, wenn man helfen konnte.
  • mich persönlich motiviert einfach nur die Freude am "Helfen" an sich. Ich freue mich, wenn ich Menschen glücklich machen kann. Im speziellen Fall der Flüchtlingsarbeit motiviert mich das Gefühl aktiv tätig zu werden und nicht mehr diesem Gefühl der Ohnmacht hilflos ausgeliefert zu sein.


Teil 2 folgt im November 2016.

01.10.2016
Geschw. Grünewald
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