Themenimpulse

Dezember 2021

Trost

Ihr lieben Alle,

seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit dem „Trösten“. Eins meiner Lieblingslieder aus der Chorliedermappe ist „Tröstet mein Volk“. Es hat nicht nur eine wunderschöne, eingängige Melodie, sondern einen vielsagenden Text. Woher kommt eigentlich das Wort „Trost“ und was ist damit gemeint? Es hat seinen Ursprung im Indogermanischen und bedeutet soviel wie „innere Festigkeit und Treue“.

Mh, da muss man erst einmal einen Zusammenhang herstellen, dachte ich mir.
Was bedeutet also „Trost“, wo wendet man ihn an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Gelegenheiten Trost zu spenden. Kleine Kinder, die sich verletzt haben oder von anderen Kindern geärgert worden sind, laufen doch zuerst zu ihren Eltern oder einer ihnen vertrauten Person. Sie werden in den Arm genommen, gestreichelt, man spricht ihnen mit sanfter Stimme Trost zu.
Die tröstende Person respektiert also die Verwundung, den Schmerz und gibt dem Kind die Sicherheit, dass es nicht alleine ist. Und meistens ist dann ganz schnell der Ärger verflogen, die Wunde nicht mehr so schmerzend.

Trost ist somit die Zuwendung oder Ermutigung einem Menschen gegenüber, der sich in einer schwierigen Lage befindet, so beschreibt es ein gutes Wörterbuch. Die Notlage kann durch Krankheit, Trauer oder eine seelische Belastung hervorgerufen werden. Im Laufe der Jahre hat sich die Trauer- und Tröstearbeit sowohl im seelsorgerischen als auch im psychologischen Verständnis verändert. Das Trösten ist mehr eine Sache des Zuhörens und Zusprechens geworden. Wenn man sich in einer akuten Notlage befindet, sucht man sich einen Experten, der zuhört, der Mut zuspricht, der das Gefühl vermittelt, man ist nicht alleine. Trost kann nicht nur durch Worte, sondern auch durch Gesten oder Berührungen gespendet werden. Wer es schon mal erlebt hat, der weiß, wie wohltuend es ist, sich plötzlich nicht mehr alleine zu fühlen. In der Not geraten viele Menschen ins Straucheln. Wie wichtig ist es in solchen Momenten, ihnen ohne Vorbehalte zu begegnen. Trost kann aber auch bedeuten, dass man das Unvermeidliche annehmen muss, um daraus eine Lösung zu finden und den Blick nach vorn zu richten. Auch Menschen, die den Mut verloren haben, erfahren Trost durch Zuwendung. Apostel Paulus spricht von ihnen als den Kleinmütigen, den Schwachen, denen es gilt, sich geduldig und tröstend zuzuwenden.

Eigentlich hätte ich meine liebste Freundin, die jung in die Ewigkeit gehen musste und ein kleines Kind hinterlassen hat, trösten müssen. Ich konnte es nicht, weil ich so verzweifelt war. Sie hat die Stärke gehabt im Glauben an Gott, mich zu trösten.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat aus dem Gefängnis heraus, wissend, dass er hingerichtet werden wird, in einem Brief an seine Verlobte geschrieben:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Welch starker Glaube.
Kann der Glaube trösten? Ich finde ja. Trost wirkt sich auf das Innere des Menschen, auf sein Herz, seine Seele aus. Dazu schrieb Apostel Paulus im 2. Thessalonicher, Kapitel 2 in den Versen 16 bis 17 Folgendes:

Er aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort.

Wir hören oft vom Tröster, den unser himmlischer Vater uns gesandt hat. Er ist der Tröster für alle Menschen, die sich ihm anvertrauen, die seine Nähe suchen. Das ist eine schöne Gewissheit und sie zeigt uns, dass wir nicht alleine sind. Wir alle brauchen Trost in den unterschiedlichsten Lebenslagen, insbesondere dann, wenn wir einen lieben Menschen in die Ewigkeit abgeben mussten. Wir wissen, dass wir uns irgendwann wiedersehen werden und doch bedarf es des Trostes in der Trauer. Ehrlich gemeinter Trost geht von Gott, unserem himmlischen Vater, aus. Und wie erfahren wir seinen Trost? Er kann uns ja nicht in den Arm nehmen, aber wir hören sein Wort, darauf können wir bauen.

Nächsten Sonntag werden wir wieder unserer Entschlafenen gedenken. Es sind ja nicht nur unsere Geschwister, an die wir denken. In den letzten zwei Jahren sind durch die Pandemie viele Menschen einsam und allein verstorben. Ihre Angehörigen hatten keine Möglichkeit, sich von ihnen zu verabschieden. Durch Kriege und Naturkatastrophen haben viele Menschen ihre Leben verloren.
Wir sind gefragt, für sie zu beten. Unser himmlischer Vater in seiner Größe und Gnade wird sich tröstend ihnen zuwenden, davon bin ich fest überzeugt. Und mit dieser Gewissheit, kann ich getrost meiner Wege gehen.

Doro Lengert