Blick übern Tellerrand

Angekommen… und doch nicht fremd


Aus allen Teilen Deutschlands und der Schweiz machen sich Hörgeschädigte Geschwister, Gäste und Begleiter auf nach Berlin. Es ist Samstag, der 25. August 2018. Heute Mittag beginnt das 18. überregionale Hörgeschädigtentreffen. Am Charlottenburger Econtel Hotel kreuzen sich die teils langen Anfahrtswege. Es scheint, als ob alle gleichzeitig eintreffen. Zwischendrin freundliche Gesichter des Organisationsteams der Gebietskirche Berlin-Brandenburg, die die Ankommenden liebevoll begrüßen. „Schön, dass ihr da seid! Herzlich willkommen in Berlin! Leider können erst ab 15:00 Uhr die Zimmer bezogen werden. Das heißt, Koffer unterstellen und die Zeit bis zum Aufbruch zum Schiff mit Gesprächen überbrücken. Hier waren bekannte Gesichter und viele neue. Angekommen… und doch nicht fremd.

Gegen 14:30 Uhr brechen wir auf in Richtung Spree. Das Ausflugsschiff ist in Sicht und nimmt die Ankommenden auf. Hier ist eine gemütliche Atmosphäre und freundliche Geschwister winken einander zu. Andere fragen, ob man nicht an ihrem Tisch Platz nehmen wolle. Gern wird die Einladung angenommen um sich kennenzulernen und miteinander zu plaudern.

Spree ahoi
Nach der Begrüßung durch den Bezirksapostel und dem Gebet von Apostels Schug, besucht der Bezirksapostel die verschiedenen Decks und reicht jedem die Hand. Freude liegt in seinem Blick.
Leichter Nieselregen begleitete das Schiff eine kurze Zeit, was aber bei leckerem Kaffee und Kuchen nicht weiter stört. Dann während die Geschwister sich noch unterhalten, wird der Himmel heller. Die Ersten gehen vorsichtig an Deck. Die Sonne wärmt und immer mehr Passagiere schauen jetzt rechts und links des Flusses auf die Sehenswürdigkeiten wie Westhafen, Charité, Kanzleramt, Reichstag, Haus der Kulturen und manche mehr, während ein sanfter Wind die Haare streichelt. Die Sonne tut dem Herzen gut. An der Reling stehend oder auf dem Deck sitzend plaudern Grüppchen mit Stimme und Händen. Wiedersehensfreude, Gespräche, Austauschen der Erlebnisse des letzten Jahres… zwischendurch ein staunender Blick auf den Fernsehturm, der einmal wieder aus einer anderen Richtung grüßt. Dann weist der Kapitän daraufhin, bitte bei der nächsten Brücke wieder den Kopf einzuziehen.
Langsam leeren sich die oberen Decks in Richtung Abendessen und auch die letzten Deckflüchtlinge werden freundlich in das untere Schiff eingeladen. Wie Wasser plätschert die Zeit dahin. Gegen 18:00 Uhr legt das Schiff wieder am Ausgangspunkt „Tegeler Weg“ an.
Zurück im Hotel beginnt das Einchecken und die Zimmerbelegung.
Beim Blick aus dem Fenster in einem der oberen Hotelstockwerke zeigt sich ein sanft-goldener Sonnenuntergang. Noch ist der erste Tag nicht zu Ende. Im Foyer wird geplant und diskutiert; wie soll der weitere Abend aussehen? Manchen zieht es in die Berliner Nacht, andere finden ein Plätzchen im Hotelrestaurant. Bis die letzten Lichter gelöscht werden, wird viel gelacht, gefragt, zugehört … der Abend klingt aus.

O seliger Sonntag, du Tag meines Herrn

Irgendwann reißt jeden der Wecker aus dem Schlaf. In zwei Gruppen gibt es Frühstück (zwischen 7 und 9 Uhr). Der Spaziergang zur Charlottenburger Kirche ist ein Stück Vorbereitung in Vorfreude auf den Höhepunkt des Treffens, den Gottesdienst.

Um 10 Uhr betritt Bezirksapostel Wolfgang Nadolny in Begleitung von Apostel Wolfgang Schug und den Gebärden-Dolmetschern den Altar. Grundlage für den Gottesdienst bildet das Bibelwort aus Matthäus 5, Vers 3:“Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ Nun „singt“ der Gebärdenchor wobei die Gebärden sprachbegleitend von einer Dolmetscherin vorgetragen werden.
In seinem Predigtbeitrag erläutert der Bezirksapostel, wie der Weg ins Himmelreich gegangen werden kann.
Geistlich arm heißt nicht dumm oder wenig begabt zu sein. Der liebe Gott hat jedem Menschen geistige Fähigkeiten mit auf seinen Lebensweg gegeben, dem einen in dieser, jenem in einer anderen Möglichkeit. Damit ist nicht zum Ausdruck gebracht, wer viel geistige Fähigkeiten hat, dem ist der Weg in das Himmelreich versperrt. Es bedeutet, sich bewusst zu sein, „dass wir in allen Dingen von Gott abhängig sind“. Die Gemeinde hörgeschädigter Geschwister zeichnet sich dadurch aus, dass man „bereit ist, Hilfe anzunehmen“. Wir alle können unsere uns vom lieben Gott gegebenen Fähigkeiten nutzbringend in unserer umgebenden Gesellschaft einbringen und zu einem schönen miteinander beitragen. Dies ist auch eine schöne und segensreiche Aufgabe für jedes Gotteskind in seiner Gemeinde.

Das Dienen von Apostels Schug (Westdeutschland) wurde vom Gebärdenchor eingeläutet und von einer Dolmetscherin in Sprache übersetzt. In seinem Predigtbeitrag war die Freude des Apostels fühlbar in der Gemeinschaft mit den Hörgeschädigten sein zu dürfen. Aus seiner Freude hat er unserem Bezirksapostel für die Ausrichtung der Hörgeschädigtentage und für seine Gedanken auf den Blick unseres Glaubensziels, dem Tag der Wiederkunft Jesu gedankt. Die Gemeinde hörgeschädigter Geschwister zeichne sich dadurch aus, dass man „bereit ist, Hilfe anzunehmen“. Apostel Wolfgang Schug betonte die Unterschiedlichkeit jedes einzelnen. Diese „Unterschiede schließen uns nicht von der Gemeinschaft mit Gott aus.“ Vor Gott zähle nur, „was im Herzen steht“. „Danke, dass ihr treu seid, trotz aller Schwierigkeiten.“
Der Gebärdenchor bereitete das Dienen unseres gehörlosen Priesters Jensen vor. Seinen Predigtbeitrag sprach er in der hörgeschädigten Sprache, die simultan für Hörende in Sprache übersetzt wurde.
Pr. Jensen prägte einen besonderen Hinweis in Gebärden: Im Heiligen Abendmahl ist Gott uns in Jesus Christus ganz nahe. Näher geht nicht!

Nach der Feier des Heiligen Abendmahles für die Gemeinde und der Feier des Abendmahles für die Entschlafenen, folgte die Segenshandlung zur goldenen Hochzeit der Geschwister Scholz.

Der Kinderchor beendete den offiziellen Teil des Hörgeschädigtenbeisammenseins in Berlin-Brandenburg mit dem Lied und der Aufforderung:

„Schritt für Schritt, so geh ich meine Straße“


Mag die Liebe und Gnade unseres Himmlischen Vaters jeden von uns auf diesem Weg täglich begleiten.

Auf dem Bürgersteig, vor der Gemeinde Charlottenburg, fand die Abschiedszeremonie statt. Tschüssiikowski, machs jut bleib tapfer, halt alles was du hast fest, bleib an der Hand des Herrn, egal was kommt, in allem sei gesagt:

Wir, die Hörgeschädigten sind gemeinsam, auch mit regionalen Unterschieden, eine tolle Gemeinde und freuen uns auf ein Wiedersehen irgendwo in der Republik am ….........?


Berlin tat jut: Danke



03.09.2018
H.H.
H.H./J.L.
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